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Militaria Sondeln – oder die Suche nach Relikten aus dem Krieg

Der Mensch ist seit je her ein Jäger und Sammler. Seit Anfang der Menschheitsgeschichte wurden für schlechte Zeiten und vor allem für den Winter, Notvorräte angelegt. Heute in der Zeit des Überflusses, ist die Notbevorratung im eigentlichen Sinne nicht mehr notwendig.

Die Sammelleidenschaft ist für viele dennoch oft ein großes Bedürfnis. Dabei gibt es eigentlich nichts, was man nicht sammeln kann. In der Jugend fangen viele mit Briefmarken an. Dann werden es Bierdeckel, oder Kronkorken verschiedener Hersteller. Später will man vielleicht mit seinen seltenen Sammelobjekten eine Wertsteigerung erzielen. Das könnten dann z.B. edler Wein, alter Whisky, Steiff-Teddybären, Motorräder und Oldtimer sein. Die Liste könnte beliebig weitergeführt werden.

Ein Besonderes Sammelgebiet ist das Thema Militaria. Gewaltsame Auseinandersetzungen mit dem   Feind gibt es seit jeher. Jeder Krieg ist ein mit Waffengewalt ausgetragener Machtkonflikt. Man möchte fast meinen, der Mensch kann nicht in Frieden leben, obwohl in allen Ländern es das erste Ziel sein sollte, ein friedvolles Zusammenleben anzustreben.

Der interessierte Leser braucht nur mal bei Wikipedia nachschauen „Die Liste von Kriegen“ (https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_von_Kriegen)

Man muss sich eigentlich fragen, wieso die Menschliche Rasse noch nicht ausgestorben ist.

Waffengewalt, – jetzt mal im militärischen Sinne betrachtet, ab wann ist eine Waffe eine Waffe?

Waffen sind Mittel, die dazu bestimmt sind, Menschen physisch durch Tod oder Verwundung Handlungsunfähig zu machen. Somit fängt das mit einem Steinbeil an und endet mit der Atom-Bombe. Der Mensch ist so erfinderisch, wenn es ans „Handlungsunfähig machen“ geht. Da sind alle Mittel recht, selbst wenn es an Grausamkeit nicht zu überbieten ist.

Beim Thema Militaria geht es aber nicht um moderne, oder noch funktionsfähige Waffen, (nicht in Deutschland (Kriegswaffenkontrollgesetz) –  sondern um alles was im weitesten mit dem militärischem zu tun hat.

Die Waffen in der Steinzeit bestanden wie der Name schon sagt aus Steine. Da wurden Dolche oder Ritter mit KettenhemdFaustkeile aus Feuerstein hergestellt. Auch Geweihspitzen und Elfenbein kamen zum Einsatz. Später entwickelten sich Pfeil und Bogen. Waffentechnisch gab es später im Altertum, Hieb und Stichwaffen wie Schwerter, Speere, Morgensterne und Lanzen aus Bronze und zur Abwehr Körperpanzerungen aus Leder oder Metall (Ritterrüstungen). Selbst das Pferd eines Ritters hatte einen Harnisch oder Pferdepanzer aus Kettengeflecht.

Im Bauernkrieg/Bürgerkrieg ab (1524) und im 30-jährigen Krieg (1608-1648) waren die Soldaten neben anderen mit „modernen Waffen“ wie Armbrüsten oder Vorderlader-Gewehren, den Musketen, ausgestattet. Während sich die Bauern mit hölzerne Dreschflegel, Mistgabeln, Sensen, Beilen oder Knüppeln zur Wehr setzten. Da ist es wohl nicht verwunderlich, dass in so mancher Schlacht die Bauern bis zum letzten Mann niedergemetzelt wurden.

Bei der Schlacht von Herbsthausen (bei Bad Mergentheim) vom 5. Mai 1645 zwischen den Kaiserlichen unter Franz von Mercy gab es bei den Franzosen unter Turenne eine vernichtende Niederlage, dabei wurde mehr als ein Drittel der Gefangenen getötet.

Der Flurname die „schwarze Lache“ bei Herbsthausen bezieht sich noch auf eine solche Schlacht. Das Blut floss der Überlieferung nach so reichlich, dass sich das Schlachtfeld rot bis schwarz färbte.

Bei der Belagerung und schließlich Eroberung der fränkischen Stadt Rothenburg ob der Tauber  durch Graf Johann von Tserclaes Tilly im Jahre 1631 solle der Heereszug aus 50.000 bis 60.000 Mann bestanden haben.

Ein Heer selbst bestand meist aus drei “Haufen”. An vorderster Front befand sich die Vorhut  bestehend aus Bogen-, und Armbrustschützen, dann kamen die Ritter und Fußsoldaten und hinten die Nachhut. Außerdem mussten noch Packpferde und Wagen für Zelte, Belagerungswerkzeuge zur Herstellung von Leitern und Rammen, Zusatzwaffen und als Proviant lebendes Schlachtvieh mitgenommen werden. Man konnte ja nicht eben mal kurz nach Hause um Nachschub zu holen.

Neben Soldaten gab es aber auch noch das Gefolge mit allen Berufen, die man zur Versorgung und Ausstattung benötigte. Bäcker fürs Brot backen, Metzger zur Fleischverarbeitung, Hufschmiede, Fanfarenbläser, es gab Trommler und Pfeifer (habe schon mehrere Mundstücke gefunden) und Fahnenträger (um in der Schlacht zu bestimmen, wer gehört zu wem). Oft folgten den Heereszug schließlich noch „Gewinn orientierte“ Kaufleute und Prostituierte.

Waffenschmiede führten dabei ihre Halbzeuge z.B. Rohblei (findet man auch häufig) mit sich, um dann Waffen oder Munition je nach Gebrauch fertigzustellen. Und wenn das Rohmaterial ausging, machte die Not bekanntlich erfinderisch. So hatten Soldaten in einigen Dörfern die Fenster zerschlagen, um an das Blei zu kommen, aus dem dann Bleikugeln gegossen wurde. (Ich habe schon hunderte dieser Musketen Kugeln gefunden) Nach einer Überlieferung aus Wettringen, (Mittelfranken) wurden wegen akutem Bleimangel die Vorderlader einfach nur mit runden Kieselsteine (Wettringer Schusser) bestückt. Die Treffsicherheit lies verständlicherweise sehr zu wünschen übrig.

Wen wundert es also, wenn so ein Heer übers Land zog, dass man beim Sondeln im Wald, auf Feldern und Wiesen zahlreichen beweglichen Besitz der Soldaten und dem Gefolge findet.

Mitunter 60.000 Menschen (und Vieh) täglich zu versorgen, war sicher nicht leicht. Plünderung, Vergewaltigungen und Brandschatzung der eroberten Städte waren „normal“.

Die Schlacht um Magdeburg ist als eines der größten Gemetzel des 30jährigen Krieges bekannt. Anfang des Jahres 1631 hatte Magdeburg ca. 35.000 Einwohner, im Mai 1631 nur noch zwischen 5.000 und 10.000!

Der Sondler nimmt nun eine „Sonderstellung“ im Sammelgebiet Militaria ein

Wenn der Sondengänger mit seinem Metalldetektor auf die Suche geht, hat er dabei den Vorteil, (außer der Anschaffung seines Equipments) für seine Sammelleidenschaft nichts bezahlen zu müssen.

Militaria Sondeln mit Stahlhelm und Bajonett

vintage military helmet, knife and compass

Natürlich birgt die Suche nach militärischem, (vor allem, wenn man weiß) dass man sich auf einem Kampfgebiet von WK1 + WK2 befindet, immer die Gefahr, auf etwas gefährliches zu stoßen. Es versteht sich von selber, diese Kampfstoffe nicht als Trophäen mitzunehmen. Granaten, Bomben o.ä. wurden zum Töten von Menschen gemacht und dieses tun sie auch noch nach über 100 Jahren!

Bei einem Fund eines Blindgängers gilt das 1. Gebot des Militaria-Sondlers: Polizei anrufen! Und Funde in vorgefundener Lage liegen lassen! Die Polizei unternimmt die erforderlichen Schritte, um die Gefahr zu beseitigen.

Etwa 1,2 Millionen Tonnen Bomben fielen durch die Alliierten im 2. Weltkrieg auf Deutschland – Bei 1,2 Millionen Tonnen Bomben, liegt die Menge an Blindgänger rein rechnerisch zwischen

120 000 und 240 000 Tonnen.

Allein in 2014 hat der bayerische Kampfmittelräumdienst mehr als 50 Tonnen Granaten, Bomben und Munition aus dem Zweiten Weltkrieg beseitigt.

 

  • Im Jahr 2015 wurden in Bayern etwa 64 Tonnen Kampfmittel beseitigt und entsorgt, darunter auch 139 Spreng- und Splitterbomben.
  • Insgesamt wurden seit dem Jahr 2000 mehr als 800 Tonnen aus dem bayerischem Boden entfernt.
  • Das Regierungspräsidium Baden Württemberg gab bekannt, im Jahr 2017 wurden 50.585 Kilogramm Kampfmittel aufgefunden und beseitigt.

(Quelle: http://www.sueddeutsche.de/bayern/kampfmittelbeseitigung-bayerns-explosives-kriegserbe-1.3271813)

Nachfolgend die 9 wichtigsten Punkte zu richtigen Verhaltensweise, wenn Sie den Verdacht haben ein Kampfmittel gefunden zu haben:

1)   Lassen Sie die Kampfmittel unbedingt am Fundort liegen. Berühren Sie den Fund nicht und versuchen Sie nicht, ihn aufzuheben.

2)   Halten Sie Abstand zum Fund, um sich oder andere Personen nicht zu gefährden.

3)   Markieren und sichern Sie die Fundstelle.

4)   Warnen Sie näher kommende Personen rechtzeitig und weisen Sie diese auf die Gefahren hin.

5)   Wählen Sie die Notrufnummer 110 oder informieren Sie sofort die nächstgelegene Polizeidienststelle.

6)   Teilen Sie mit:

  • Was haben Sie gefunden?
  • Wo ist der genaue Fundort?
  • Wer ruft an? – Leisten Sie den Anweisungen Folge.

7)   Warten Sie auf die Polizei und weisen Sie die Einsatzkräfte ein.

8)   Vermeiden Sie Erschütterungen.

Haben Sie Kampfmittel versehentlich aufgehoben? Dann legen Sie diese vorsichtig ab und Werfen Sie diese niemals.

Bild: das Hintere Ende einer Mörsergranate

  • Für die Meldung fallen für Sie keine Kosten an.

 

Das Objekt der Begierde können für Sondler aber auch Orden, Ehrenzeichen, oder Erkennungsmarken sein.

Jedem Soldaten wurde bei seiner Einberufung eine Erkennungsmarke ausgehändigt, die an einer Schnur Orden und Eisernes Kreuzum den Hals getragen wurde. Die Marken (eine Metalllegierung) waren gegen Hitze und Verrottung weitgehend unempfindlich. Gefallene Soldaten konnten auch dann noch identifiziert werden, wenn ihre Personalpapiere nicht mehr vorhanden sind. Wer beim Sondeln eine Erkennungsmarke findet, sollte den Fund der „DD-WASt“ (Deutsche Dienststelle für die Benachrichtigung der nächsten Angehörigen von Gefallenen der ehemaligen deutschen Wehrmacht) melden. Das ist der Nachfolger der ehemaligen Wehrmachtauskunftstelle für Kriegerverluste und Kriegsgefangene.

Eine der wohl bekannteste Auszeichnung im ersten und zweiten Weltkrieg und der Wehrmacht war wohl das „Eiserne Kreuz“. Das Eisernes Kreuz 1. Klasse 1914 – Eisernes Kreuz 2. Klasse 1939. Vorgeschlagen hat die Würdigung der Kompaniechef. Den Orden hat man für überdurchschnittlich mutige Handlung ohne Rücksicht auf das eigene Leben bekommen. Ohne diese Tapferkeitsauszeichnung war es für einen Offizier im Krieg fast unmöglich, auf eine höhere Führungsverantwortung aufzusteigen.

Neben den anderen bekannten Auszeichnungen ist das EK1, oder das EK2 ein „must have“ für jeden Militaria Freund. Bei solchen Funden macht das Militaria Sondeln auch enorm viel Spaß

Es gab und gibt aber nicht nur militärische Abzeichen, sondern auch Zivile. Das Ehrenkreuz der Deutschen Mutter, das Reichssportabzeichen, Ehrenzeichen für den Luftschutz, des deutsch roten Kreuzes, der Feuerwehr, oder der deutsche Volkspflege um nur mal ein paar zu nennen. Und die jeweiligen Orden und verliehenen Abzeichen in Unterscheidung noch in den Abstufungen Gold, vergoldet und mit Emaille, Silber, Bronze, oder Fein Zink versilbert, mit oder ohne Band, oder in Stoffausführung für den Sportanzug.

Die Zink Auszeichnungen die der Sondler bisweilen noch häufig auf den Feldern findet, haben meist vermutlich mit dem Kalk der Böden reagiert (Zink ist empfindlich gegen Säuren und Basen) und sind meist in sehr schlechtem Zustand. Nach dem verlorenen Krieg waren diese Auszeichnungen ja nichts mehr wert, bzw. man wollte sich nicht mehr damit brüsten und so wurden die Erinnerungsabzeichen oftmals auf den Misthaufen geworfen. (aus den Augen – aus dem Sinn). Und somit landeten die Abzeichen früher oder später zur Freude eines jeden Militaria-Sondlers auf den Feldern.

Auch Kopfbedeckungen wie Mützen oder Helme sind begehrte Such-, und Sammelobjekte. Ein seltener römischer 2000 Jahre alter Kavalleriehelm ist in London für umgerechnet 2,6 Millionen Euro versteigert worden. Ein junger Mann hatte die Antiquität mit einem Metalldetektor auf einem Acker ausgegraben – und darf nun den Großteil des Erlöses behalten. (Englisches Recht)

Quelle: http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/ackerfund-roemischer-helm-fuer-2-3-millionen-pfund-versteigert-a-721955.html

Wasserfunde

Im Unterschied zum Sondengänger – einer immer größer werdende Gemeinde in Deutschland, (wenn nicht Weltweit) vermutlich einige Tausend dem Sondel-Virus verfallenen Menschen – ist das Tauchen nach Militaria wohl eher nur einer kleinen Gruppe möglich. Wobei das zugegebenermaßen sicher auch spannend ist. Bei den meisten Metallortungsgeräten ist nur die Spule wasserdicht. Es gibt zwar spezielle Metalldetektoren, die man auch unter Wasser einsetzen kann  z.B. den Garrett Seahunter, den Tesoro Tiger Shark, oder den Vibra-king 750  – sogar für Tauchtiefen bis zu 60 Metern. Ich will auf diese Tauch-Freizeitbeschäftigung aber nicht weiter eingehen. Anstatt selbst zu tauchen, ist es doch viel einfacher, nur einen starken Magneten ins Wasser zu werfen, als sich ein großes Tauch-Equipment anzuschaffen.

Um der Möglichkeit des Magnetfischens nachzugehen, braucht man nur den richten Magneten.

Magnete aus einem Neodym, Eisen, Bor Gemisch gehören zu den stärksten, die es gibt. Beachtlich ist, dass die enorme Kraft dieser Neodym-Magneten schon bei einer verhältnismäßig kleinen Größe erreicht wird. Die sogenannten Berge-Magnete, die zum Metall-Fischen eingesetzt werden, haben meist einen Durchmesser um die 70mm. Trotzdem können diese bereits, in Verbindung mit einer 10mm starker Nylonschnur, einige hundert Kilo heben. Dabei spielt die Form eine eher untergeordnete Rolle. Vielmehr Beachtung sollte der Haken finden. Eine Öse ist die sinnvollere Variante, als ein „offener“ Haken. Denn mit einem Haken wie bei einem Kleiderbügel verlieren sie unter Umständen nicht nur den Fund, sondern auch den Magneten selbst.

Bei meinem ersten Bergeversuch auf einer Brücke blieb der Magnet durch das Auswerfen an einer sich unter der Brücke befindlichen Eisenverstrebung haften und ich dachte schon, so – einmal geworfen und das war’s. Nur mit vereinten Kräften eines Freundes gelang es, den Bergemagneten zu bergen! (hatte 225 kg Haltekraft) Es gibt aber auch noch stärkere z.B. mit 380 kg Zugkraft. Achtet beim Kauf auf die Bezeichnung N52, das bedeutet dabei die höchst mögliche Magnetisierung. Ein kleiner Bergemagnet mit „nur“ 30 kg Haltekraft reicht oft nicht aus, um einen im Schlick steckenden Stahlhelm zu heben. Und vergesst aber bitte nicht eine Box für den gefundenen teils stark verrosteten Metallschrott mitzunehmen um das Metall dann ordnungsgemäß dem Recycling zuzuführen.

Wenn Magnet-Fischen gefährlich wird.

Ein Magnetfischer der am Sonntagnachmittag seinem Hobby nachgegangen war, staunte vermutlich nicht schlecht, als er plötzlich acht Flugabwehrgeschosse an seinem „Haken“ hatte. „Normale Fische“ sind eher Dinge wie, verrostete Schrauben, Nägel, gelegentlich einzelne Münzen, aber auch leere, verschossene Maschinengewehr-Ladestreifen kommen zum Vorschein. Im Falle von Kampfmittelfund: Ruhe bewahren und die 110 anrufen!

Aber nicht nur „Militärhardware“ ist für Military-Freaks interessant, auch Militär-Fotos, Postkarten und Dokumente lassen das Herz mancher Hobbyhistoriker höher schlagen und stehen bei Militaria-Tauschbörsen hoch im Kurs. Dabei handelt es sich bei Schriftstücken vom ersten Weltkrieg meist um Zeichnungen, während die Dokumente vom zweiten Weltkrieg meist Schwarz-Weißfotos, selten Farbfotos waren. Die Bilder zeigen dann die Soldaten in ihren Uniformen neben den Geschützen, die sie bedienen, oder Einzel-, und  Kameradschaft-Gruppenaufnahmen.

Hier Dokumente vom Urgroßvater

Alte Dokumente aus dem 03 reich für Soldaten