Schnupftabak – Arme Leute-Luxus

Unter einem Punkt im Ehren-, und Verhaltenskodex für Sondler steht: „Abfallfunde mitnehmen“!
Besonders nach Waldbegehungen sind meine Taschen oft mit mehreren Dutzend leeren Patronenhülsen (Jagd,- oder Kriegshinterlassenschaften) gefüllt.
Jeglicher Müll hat auf einem Feld (Wald) natürlich nichts verloren. Das wird nebenbei natürlich auch mitgenommen und ordnungsgemäß dem Recycling zugeführt.

Dabei ist nicht alles das zunächst wie Blech-Schrott aussieht, auch Müll. Oft entpuppt sich so ein Döschen auch als ein „Luxusgut“ aus früherer Zeit.
Wenn man sich etwas mit der Geschichte der früheren ländlichen Bevölkerung auseinandersetzt, kann man nur staunen wie karg und bescheiden das Leben früher war, und man mit dem Wenigen, das man zur Verfügung hatte, auskommen musste.
Auch das Gesinde der Gutshöfe oder die Tagelöhner waren zur Sparsamkeit gezwungen. Eine kleine Freude des Konsums war da zum Beispiel das Rauchen einer Zigarre.
Aber wer konnte sich diese schon leisten? Zigaretten gab es ja noch nicht. Da macht die Not bekanntlich erfinderisch. Eine kostengünstige Alternative war da der Schnupftabak. Eine Priese.
Am bekanntesten ist wohl der fein gemahlene, aromatisierte Schnupftabak – der SNUFF.
Der „Snuff“ ist ein Pfefferminz und Menthol-haltiger Schnupftabak und hat seinen Ursprung in England.
Wogegen der klassische bayerische „Schmalzler-Schnupftabak“ seinen Namen aus der früher üblichen Beimischung von pflanzlichen Fetten oder Butterschmalz hat.
In der bekannten Geschichte von Ludwig Thoma: „Ein Münchner im Himmel“ - Alois Hingerl, Dienstmann Nr. 172 in München, sagte zu einem vorbeifliegenden Engel: „Hallo, Sie! Hallo – pssst – hallo – ham’s koan Schmaizla? An Schnupftabak – ham’s nix? A Pris? – Geh weida, fahr oane her!“
Wenn ihr also wieder mal so ein Schnupftabak-Döschen findet, denkt daran, dass dieses für den damaligen Besitzer auch ein kleiner Schatz war und auch heute noch sind Schnupftabaksdosen Gegenstand eines eigenen Sammelgebietes.

